Spektakulärer Kampf um den Sieg – Kanada Rennbericht Liga 1

Prinenz unterbrach am Sonntag die Serie Julians mit einem knappen Sieg. Der WM-Führende rehabilitierte sich nach einer schlechten Qualifikation auf den zweiten Platz.

Das siebte Rennen der Liga 1 der Racing League Esports zog Fahrer und Fans nach Kanada auf den Circuit-Gilles-Villeneuve in Montreal. Die berühmt berüchtigte Wall of Champions, die ihren Namen seit dem Grand Prix von 1997 trägt, bewies sich als härtester Gegner während der Qualifikation und dem Rennen. So schlug DeKeepa in seiner Qualirunde in die Wand, der auffahrende Weltmeister Julian unterschätzte den Abstand zum kaputten McLaren und schied ebenfalls aus. So startete der Ferrari-Pilot von P15 und verzichtete auf einen Ausbau seiner bis dato fünf aufeinander folgenden Pole-Positions. Red Bull Junior Prinenz galt somit als Favourit auf die Pole, verschenkte diese allerdings im letzten Q3 Versuch zugunsten Kevinportugals, der mit Renault zum ersten mal von ganz vorne startete. ,,Ich war voll überrascht mit der Pole Position, ich wusste ich hatte die Pace um vorne mitzufahren, aber dass die Pace so stark war, damit hätte ich nicht gerechnet.“, gab sich der Portugiese selbst verwundert.

Ein ungewohntes Bild – Kevinportugal war schnellster Pilot im Qualifying

Gesittete Startphase

Die Euphorie beim französischen Traditionsteam hielt allerdings nicht lange an, da Kevinportugal sich in der ersten Runde schon gegen Prinenz geschlagen geben musste. Die Startphase verlief gesittet und das gesamte Feld absolvierte die ersten 4,3 Kilometer ohne Schäden. Julian konnte zu dem Zeitpunkt schon drei Plätze gewinnen. Die schwache Rennpace Kevins setzte sich fort, als er bis Runde vier weitere Plätze verlor.

Mit Puffreis und Perpetuum hatte der Renault-Rookie zwei angriffslustige Force India hinter sich. In Runde fünf gelang es Puffreis Kevin zu überholen, verlor die Position im darauffolgenden Mittelsektor allerdings wieder. Teamkolllege Perpetuum nutzte die Chance und zog ebenfalls an Puffreis vorbei um kurz darauf auch den Renault in der Schikane vor der Wall of Champions, der beliebtesten Überholstelle der Strecke, zu kassieren. Grund für Kevins mangelnde Pace ist auf einen Defekt an seinem Auto zurückzuführen: ,,Ich habe herausgefunden, dass meine Pedale nicht richtig funktioniert haben und ich deswegen nicht Vollgas geben konnte. [..] Das hat mich ziemlich geärgert, dass ich deswegen nicht die Chance hatte zugewinnen.“, erklärte er nach dem Rennen.

McLaren mit anfänglichen Problemen

Derweil riefen Zuschauer den Tierschutzverein an, weil sie den McLaren von DeKeepa mit einer freilaufenden Schildkröte verwechselten. Der Münchner startete auf dem härtesten Pneu und fand auf P15 liegend keine Geschwindigkeit: ,,Ich habe vergessen, mein Setup zu bearbeiten. Die Supersofts habe ich dann am Anfang des Rennens nicht zum Arbeiten bekommen. Während des Boxenstops habe ich dann meinen Frontflügel um eine Einheit verstellen lassen, danach lag das Auto besser auf der Strecke.“, erklärte DeKeepa. Sein auf Platz acht liegender Teamkollege Ocon hatte zum gleichen Zeitpunkt das rote Weltmeisterauto im Rückspiegel. Julian überholte ihn in der sechsten Runde mühelos auf den weicheren Ultrasofts mit Hilfe von DRS.

Im kanadisch trockenen Klima fühlte sich DeSchildkröte besonders wohl

Erste Kontroverse

Vorne kontrollierte Prinenz das Rennen,der zweitplatzierte Lowkee kam wegen schnell verschleißenden Hypersofts früh in die Box und gab somit die Position an Toro Rosso Pilot TZ ab, der die Pace vom Red Bull mitzuhalten schien. Kevinportugal hatte in Runde sieben das Nachsehen gegen den Force India von Puffreis.

Nach der aufregenden Startphase herrschte bis Runde 14 Ruhe – vor allem bis dato ohne einen einzigen Ausfall – ehe Perpetuum in der Haarnadel innen rein stach und Lowkee leicht berührte. Der dicht folgende TZ zog ebenfalls am Mercedes vorbei und hatte nun den besseren Ausgang als Perpetuum. Rad an Rad fuhren beide Richtung Wall of Champions, TZ innen und Perpetuum außen. Der Force India lenkte ein und berührte mit der Hinterachse das Vorderrad des Toro Rossos. Perpetuum rutschte in die Wall of Champions und verlor seinen Frontflügel, TZ bekam die Schikane schlecht und wurde von einem anrauschenden Lowkee berührt, was in einem DNF für TZ endete. Lowkee setzte das Rennen unbeschadet fort, stellte seinen Mercedes neun Runden später allerdings ab.

TZ nahm den Vorfall gelassen: ,,War ein normaler Zweikampf, ich auf Ultrasofts, er auf Supersofts. Also klarer Pacevorteil meinerseits, den ich dann vor beziehungsweise in der Schikane umsetzen und ihn mir schnappen wollte. Ergebnis haben wir alle gesehen. War aber nicht unfair, weder von ihm noch von mir.“ Perpetuum weist jede Verantwortung von sich ab: ,,Er wollte überholen wo kein Platz für zwei Autos ist. Hinten rechts hatte er mich getroffen und in die Wall of Champions geschickt. […] Die Schuld sehe ich bei ihm. Er hätte ja nur ein zwei Runden warten müssen bis ich kein DRS habe. Er hat dann unnötigerweise zu viel riskiert.“

Zweikampf zwischen den Controller Meistern

Zwei Runden später duellierten sich Puffreis und Julian im Kampf um Platz fünf. Julian platzierte seinen Boliden für Kurve eins und zwei auf der Außenbahn um in der dritten Kurve erfolgreich innen vorbeizuziehen. Beide kämpften mit dem Messer zwischen den Zähnen am Limit, was mit tobendem Applaus auf den Rängen belohnt wurde. Zum exakt gleichen Zeitpunkt ereignete sich ein paar hundert Meter weiter hinten ein Triple DNF. Polepilot Kevin schied in der Wall of Champions aus. Haas Pilot Sascha sowie Toro Rossos Nussbaum hatten keine Möglichkeit zu reagieren, fuhren auf und schieden aus.

Die beiden McLaren von Ocon und DeKeepa fuhren in der Zwischenzeit auf dem zweiten und dritten Platz. Beide begannen das Rennen auf dem Supersoftreifen: ,,Aaron und ich sind beide auf Supersoft gestartet, um den langen Stint zuerst abzuhaken, damit wir gegen Ende des Rennens auf den Uultrasofts pushen konnten.“, verriet DeKeepa den Plan für das Rennen.

In Runde 29 lieferten Bily und Itzbasti eine Pendantshow zu Puffreis und Julian ab, mit dem Unterschied, dass Bily sich in Kurve eins und zwei innen rein setzte und Itzbasti in Kurve drei weit raustragen ließ um dann einen Switchback zu vollziehen. ,,Also ich fand den Move mega geil doch im Endeffekt hat er nichts gebracht, da meine Reifen am Ende so abgenutzt waren, dass ich die Positionen, die ich gut gemacht, am Ende verloren habe.“, kommentierte Bily die Szene.

Julian platzierte in Runde 16 seinen Boliden für ein Überholmanöver gegen Puffreis

Kampf der Giganten

Julian war zum Ende des Rennens 6,5 Sekunden hinter dem führenden Prinenz. Der Red Bull Mann kontrollierte den Abstand und lies Julian nicht aufschließen. Fünf Runden vor Schluss drehte sich Prinenz wegen zu viel Gas am Ausgang der Haarnadel und ließ Julian um eine halbe Sekunde ran kommen. Von einem direkten Angriff konnte die Juniortüte gerade so entkommen. Blut geleckt hatte der Weltmeister, der von Platz 15 gestartet und nun dem siebten Sieg im siebten Rennen so nahe war, trotzdem. ,,Ich musste etwas schmunzeln, da er mir zuvor keinerlei Möglichkeit gab Zehntel auf ihn gut zu machen. Er hätte sich erlauben können, etwas raus zunehmen, aber statt dessen hat er weiter gepusht, was ich sehr schätze. Letztendlich konnte er den Dreher so weit abfangen, dass es ihn nur circa fünf Sekunden gekostet hat, was leider nicht ganz gereicht hat für einen Angriff.“, beschreibt Julian die Situation aus seiner Sicht.

Eine Runde darauf setzte Julian seinen roten Boliden neben Prinenz während beide auf die Wall of Champions zufuhren. Der Red Bull machte sich breit und zwang Julian den Notausgang zu nehmen. Julian lud in den nächsten Runde seine Batterie auf um einen allerletzten Versuch zu starten und das Wunder von Montreal perfekt zu machen.

Prinenz packte gegen Julian sein ganzes Verteidigungsarsenal aus

Es war die letzte Runde, Prinenz erwischte einen schlechten Mittelsektor und gab Julian somit die Möglichkeit vor der Haarnadel zu überholen. Julian versuchte es innen, doch Prinenz zog sein Auto ruckartig rüber um Julian die Chance zu verwehren. Eine Berührung blieb nicht aus, was Prinenz in einen Verbremser zwang. Julian nahm die Haarnadel gezwungenermaßen von außen und hatte somit mehr Schwung für die lange DRS Gerade. Wie schon vier Runden zuvor fuhren beide Rad an Rad auf die letzte Schikane zu. Auch hier bewies Prinenz hartnäckiges Verteidigen, ließ den Weltmeister nicht passieren und sicherte sich somit seinen ersten Sieg der Saison. Zurück blieb ein enttäuschter Julian.

Die McLaren pflügten sich im letzten Stint auf den Ultrasofts durchs Feld und erzielten mit den Plätzen vier und sechs ihr bestes Ergebnis der Saison.
Itzbasti wurde aufgrund keiner Zeitstrafen vom sechsten auf den dritten Platz vorgeschoben und komplementierte somit das Red Bull Doppelpodium.


Top 10

1. Prinenz
2. JulianR2012 ( +3,885)
3. itzbasti01 ( +16,038)
4. RL-Ocon( + 23,910)
5. puffreis14 ( +27,047)
6. DeKeepa7 ( +27,947)
7. xPerpetuumMobile ( +31,260)
8. bily1704 ( +35,574)
9. elfmeterfalle ( +56,537)
10. NewYork6681 ( +1:07.426)


Medienrunde

In der Pressekonferenz galt alle Aufmerksamkeit dem Sieger und Julian. Der momentane Weltmeister war sichtlich angefressen: ,,Nun ja, sagen wir mal so, wirklich glücklich hab ich mich nicht angestellt bei meinen zwei Versuchen. Meine beste Chance war wohl in Runde 31, doch außen rum in der letzten Schikane ist einfach nicht möglich, sprich Chance leichtfertig vertan. […]Auf dem Weg zur Haarnadel hab ich mich in der Situation und direkt nach dem Rennen etwas benachteiligt gefühlt, da Prinenz schrittweise aber sehr spät die Innenbahn zugemacht hat. Damit hätte ich einfach rechnen müssen und hab somit meine wohl letzte wirkliche Möglichkeit ebenfalls verspielt. In Richtung letzter Schikane dann das gleiche Problem wie in Runde 31.“

Prinenz reagierte auf die Vorwürfe Julians: ,,Ist er ein anderes Rennen gefahren? Ich bin halt keiner, der einen vorbei winkt. Damit muss er klar kommen, aber zu spät rüber gezogen war es keines falls.“ Später zeigte sich Julian als fairer Verlierer, als er nach seiner Meinung über Prinenz’ Zweikampfverhalten gefragt wurde: ,,Hart aber dennoch auf seine Weise fair. Wie bereits beschrieben, als Hinterherfahrender war ich mir in der letzten Runde seiner Intention nicht vollends bewusst. Dennoch, das soll kein Vorwurf sein, was er gemacht hat, ist leider legitim sowie regelkonform und hat ihm trotz seines Fehlers verdient Platz eins beschert. Glückwunsch nochmals dazu!“

Ein gelangweilter Itzbasti gab sich kurz: ,,Ganz klar waren die Strafen der Schlüssel.“, beantwortete er auf finnische Art die Frage, was das Geheimnis für den dritten Platz gewesen sei. Sein Teamkollege ließ erste Anzeichen von Größenwahn andeuten: ,,Da muss man auf die Tabelle gucken, ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wo wir stehen. Basti und ich werden aber von Wochenende zu Wochenende besser und das Ergebnis hier in Kanada wird auf keinen Fall unser bestes bleiben.“, gab sich Prinenz motiviert für einen Red Bull Doppelsieg.

Bei Orange war nach Kanada beste Partylaune angesagt. Das Team aus Woking schaffte es, sich vom neunten auf den fünften Platz in der Konstrukteursmeisterschaft zu katapultieren. ,,Wir wollen natürlich mehr und geben uns nicht mit Platz fünf zufrieden. Selbst die Vorhersage eines Möchtegern-Journalisten vor der Saison, welcher Platz vier für uns vermutete, ist uns nicht genug. Die Top drei wären eine gute Platzierung.“, gab DeKeepa die weiteren Ziele bekannt. Mit radikalem Erfolg scheinen manche Racing League Piloten noch nicht umgehen zu können. Bescheidenheit bleibt weiterhin ein Fremdwort. Immerhin sind es 41 Zähler zum dritt platzierten Team Mercedes. Ocon sah die Situation realistisch: ,,Ich hoffe es geht weiter so. Ich denke wir werden nicht jedes Wochenende so ein gutes Ergebnis einfahren aber Punkte sollten immer drin sein.“

McLaren hat 40 Prozent seiner Konstrukteurspunkte in Kanada eingefahren: ,,Aaron und ich waren bis jetzt unregelmäßig am Start, und wenn hatten wir bisher Pech. Kanada lässt auf bessere Rennen in der Zukunft hoffen.“, sah DeKeepa, der in Aserbaidschan die Wand rammte und somit ausschied, keine Fehler bei sich. Ocon schloss die Resultate auf die fahrerische Miseren zurück: ,, Mein Teamkollege und ich sind abwechselnd beschissene Rennen gefahren. Mal er, mal ich. War aber meistens ich (lacht).“ Immerhin einer, der in diesem harten Motorsportbusiness noch Zeit für Humor und Demut besitzt.

Vorschau Frankreich

In einer Woche fährt die Liga 1 der Racing League Esports im französischen Le Castellet. Der CircuitPaul Ricard kehrt nach langer Abstinenz zurück in den Formel 1 Kalender und bietet wie Kanada ein für Racing einladendes Kurvenlayout. Die ausführlichere Vorschau könnt ihr hier lesen.

CraigoZ1

CraigoZ1

Ich bin Lars, 20 Jahre jung und kommentiere wöchentlich Liga 1. Meine Livestreams können Spuren von Zorn, Euphorie, Erschütterung und hohen Dezibelbereichen enthalten.

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