Julian tanzt und gewinnt im Regen – Großbritannien Rennbericht Liga 1

Für das zehnte Rennen ging es für die meisten Teams zum Heim Grand Prix nach Silverstone. Der ehemalige britische Flugplatz trug das erste Rennen der Formel 1 im Jahre 1950 aus und ist dementsprechend geschichtlich geprägt. Julian holte erneut die Pole-Position, war aber der einzige der Top Ten Fahrer, der das Rennen auf den härteren Mediums startete. Das Wetterradar sagte Regen ab der Rennmitte vorher. ,,Da ich mit Pad leicht im Nachteil bin was den Reifenverschleiß angeht, sah ich die Mediums als meine einzige Chance mir einen zeitfressenden zusätzlichen Boxenstopp zu sparen.”, erklärte der Pole-Setter die Strategie.

Nussbaum holt sich die Führung

Überraschenderweise konnte Julian beim Start auf seinen Mediums den ersten Platz verteidigen. In der Einführungsrunde meinte man bei seinen übertriebenen Zick Zack Lenkbewegungen, um die Schlappen auf Temperatur zu bekommen, dass er einen epileptischen Anfall am Controller erleiden würde. Erst in Runde drei mit der Hilfe von DRS konnte Nussbaum den amtierenden Weltmeister auf der Außenseite von Stowe überholen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten die Softreifen besser. Perpetuum sah sich das Duell vom dritten Platz an. ,,Das Battle war schön anzusehen. Ich hätte gerne mitgemischt, doch meine Reifen hätten sonst nicht bis zum Regen gehalten.”, erklärte der Force India Mann sein konservatives Verhalten.

Nussbaum nutzte seinen Reifenvorteil

Zwei Runden später wurde Basslovers von Kevinportugal auf der Innenseite von Brooklands überholt. Der Südländer schob sich somit auf den fünften Platz vor. Der im Qualifying ziemlich schwach gewesende Prinenz hatte trotzdem genug Pace um DeKeepa zu überholen. Nachdem der Junior lange Zeit hinter dem McLaren festhing, platzierte er in Runde sechs seinen Red Bull auf die Außenseite von Stowe und überholte den Münchner für den siebten Rang. Der fuhr anschließend in die Box um sich einen frischen Satz Softs sowie eine Packung Tempotaschentücher abzuholen, allerdings nicht zu Zwecken, für die Prinenz sie verwendet, sondern um ganz einfach die Tränen wegzuwischen, die über beide seiner Wangen kullerten, nachdem der Hesse ihn round the outside vernascht hatte.

In this moment DeKeepa knew – he fucked up

Angesprochen auf die Szene wehrte DeKeepa ab: ,,Runde sechs? Ich erinnere mich an Runde eins, in welcher Prinenz gegen mich gefahren ist und ich somit zwei Plätze verloren habe!”. Der Red Bull Junior hatte die Heckansicht des McLarens sichtlich genossen. ,,Eigentlich sehr entspannt, konnte meine Reifen schonen und er hat mich davor gerettet, dass ich nicht zu schnell fahre und meine Reifen dadurch zerstöre.”, antwortete Prinenz auf die Frage, wer er die Anfangsphase hinter DeKeepa wahrgenommen habe.

Boxenstopps und ein Führungswechsel

Einen frühen Stopp legten viele Piloten in der achten Runde ein, was sich als Fehler entpuppte, da drei Runden später der Regen begann. Kurz davor begegneten sich Lowkee und Kartracer auf der Strecke. Der Brite setzte seinen Silberpfeil in Brooklands auf die Außenseite um den Ligaveteranen anschließend auf der Innenseite von Luffield zu passieren. Lowkee fuhr somit auf dem sechsten Platz. ,,Der Kerl war sau schnell auf den harten Reifen – Respekt. Ich habe nicht zu hart dagegen gehalten, da ich wusste, dass heute was gehen kann und keiner von uns den anderen wirklich abschütteln kann.”, kommentierte der Renault Pilot.

Der Mercdes-Pilot machte auf den Ice Blue Hards eine gute Figur

Kurz bevor alle Piloten die Intermediates aufzogen, holte sich Julian auf der Innenseite von Kurve vier seine Führung zurück. Seine Mediums waren in dieser Phase die deutlich schnelleren Reifen, Nussbaum bemühte sich Grip zu finden. ,,Irgendwann sind die Reifen halt auch durch. Julian mit den Mediums hatte da die besseren Karten.”, sah Nussbaum seinen Kontrahenten mit der besseren Strategie. ,,Die Reifen sind sehr sensibel, überhitzen schnell. Silverstone hat einen hohen Verschleiß. Und da ich geplant hatte bis zum Regen zu fahren, musste ich sehr sanft mit ihnen umgehen. Da habe ich eben ein bisschen Speed für die Haltbarkeit geopfert.”, fügte er noch hinzu. Kurios ging es bei der Boxeneinfahrt umher, als fast alle Fahrer eine fünf Sekunden Stop-and-Go Strafe bekamen, weil sie ihr Tempo nicht rechtzeitig auf die vorgegebenen 60 km/h reduzieren konnten.

Regen trennt Spreu vom Weizen

Die erste Runde unter nassen Bedingungen hat Nussbaum zu einem weiten Ausritt ins britische Grün verleitet. Nach Copse fuhr er ins Aus, konnte seinen Boliden aber retten. Der bis dahin stets auf dem dritten Platz fahrende Perpetuum übernahm somit den zweiten Platz. Prinenz holte extrem auf Nussbaum auf und nutzte das Momentum um den Toro Rosso auf der Außenseite von Stowe zu überholen. Der Regen blieb konstant, doch die sechzehnte Runde zeigte drei DNFs. Lowkee ging in Maggots and Beckets kaputt, Basslovers nach Copse und Kevinportugal schaffte es sogar auf der Start-Ziel Geraden. ,,Ich habe in der letzten Kurve den Innenkurb berührt und bin dann voll gegen die Start-Ziel Wand geknallt und habe meinen Reifen verloren. War halt im Regen schwer zu kontrollieren.”, gab sich der Portugiese achselzuckend vor der Presse.

Drama zum Ende des Rennes hin

Ab Runde 23 bekämpften sich NewYork und Elfmeterfalle um die letzte Punkte-Platzierung. Der Williams-Pilot versuchte es beim Ferrari auf der Innenseite von Stowe, doch Elfmeterfalle verteidigte seine Position. Eine Runde später packte der Ferrari-Pilot erneut sein ganzes Defensivarsenal aus als NewYork in Kurve 16 innen reinstach. In Runde 25 kam Ocon im ersten Sektor weit, was Elfmeterfalle blockierte und NewYork beide Piloten überholen ließ. ,,Der Zweikampf war zwar die meiste Zeit nie Rad an Rad, jedoch durch den Regen sehr intensiv.”, beschreibt NewYork die Schwierigkeit unter nassen Bedingungen. ,,Ja der Zweikampf gegen NewYork hat wenigstens zum Rennende noch ein bisschen Spaß und Laune gemacht.”, zog Elfmeterfalle nach Problemen im Regen Positives aus dem Rennen.

Der Berliner – und nicht Brandenburger wie Unwissende meinen – schob die Ellenbogen raus

In der letzten Runde überholte noch DeKeepa den siebtplatzierten Janbasketbal auf der Innenseite von Stowe. Julian gewann das Rennen, Prinenz übernahm den zweiten Platz von Perpetuum auf Grund dessen Zeitstrafen. Kartracer erzielte mit dem sechsten Platz nicht nur mal wieder Punkte seit Bahrain, sondern auch sein stärkstes Saisonergebnis.

Top 10

1. Julian
2. Prinenz ( + 2.465)
3. Perpetuum ( + 9.102)
4. Nussbaum ( + 12.541)
5. Puffreis ( + 17.682)
6. Kartracer ( +33.456)
7. DeKeepa ( + 41.343)
8. Janbasketbal ( + 52.806)
9. Elfmeterfalle ( + 1.30.279)
10. NewYork ( + 1.39.057)

Medienrunde

Mit dem achten Sieg im zehnten Rennen hat Julian mehr Punkte auf dem Konto als Prinenz und Perpetuum zusammen. Als bequem sah er diesen Sieg nicht an: ,,Die erste Rennhälfte war definitiv sehr fordernd im Duell mit Nussbaum. Ab dem Zeitpunkt, ab dem ich mir die Position von ihm zurückholen konnte, hieß es Erfahrung ausspielen und die Führung zu verwalten.” Nussbaum sah sich im Regen im Nachteil: ,,An sich war der erste Teil des Rennens sehr gut. War da wo ich hingehöre. Konnte ich leider wegen des Regens nicht halten die Pace.” Julian sah das ganz anders: ,,Gemeinsam mit Prinenz und knapp gefolgt von Perpetuum war ich nach meinem Empfinden erneut der Schnellste unter diesen Bedingungen, weshalb ich mir erneut Regen erhoffe in den nächsten Rennen.”

Angesprochen auf die Duelle wie in alten Zeiten, gaben sich beide fröhlich. ,,Mit Julian zu kämpfen ist immer so eine kleine Genugtuung. Klar, wäre natürlich noch schöner gewesen ihn zu schlagen.”, so Nussbaum. ,,Es hat mich sehr gefreut mal wieder mit meinem alten Rivalen aus F1 2017 Zeiten Rad an Rad zu fighten. Bei ihm weiß man immer, dass man den nötigen Respekt auf der Strecke bekommt, gerne mehr davon Nussi!”, erzählte Julian nostalgisch.

Perpetuum hatte wenig zu berichten: ,,Ich hatte kaum Positionskämpfe. Ich empfand mein Rennen als relativ entspannt aber auch als ein bisschen langweilig, da ich nur meine Ründchen drehen musste.” Angesprochen darauf, dass er mit Julian der einzige Pilot sei, der in den letzten drei Rennen immer auf dem Podium war, entgegnete er: ,,Podiumsplätze erreiche ich anscheinend nur, wenn ich langweilige und ruhige Rennen habe. Hoffentlich ändert sich das in Zukunft.”

Prinenz, der sich nach einem enttäuschten Platz acht in der Qualifikation auf den zweiten Rang rehabilitierte, war dankbar für die nassen Bedingungen. ,,Wir haben einen sehr guten Regentanz vor dem Rennen gemacht. Ich glaube das war der Schlüssel zum ‘Erfolg’.” Später fügte er hinzu: ,,Ohne den Regen wäre maximal eine Top 5 Platzierung drin gewesen.”

Kartracer gab sich in der Medienrunde wie immer sehr analytisch. ,,Hätte es zwei Runden später angefangen zu regnen, wäre niemand auf den Soft durchgekommen, da diese nach elf bis zwölf Runden hier mausetot sind. Ich war auf Platz zwei der Fahrer auf den härteren Reifen. Die guten 30 Sekunden, die man hier beim Stopp verliert, hätte keiner mehr aufholen können. Ein Podium wäre dann drin gewesen. Aber Konjunktive gibt es im Rennsport nun mal nicht und ich freue mich über P6.”, erklärte er den Grund für den Start auf den Mediums. Im Gegensatz zu den Podiumskandidaten stand der Ligaveteran dem Regen neutral gegenüber. ,,Überhaupt nicht, da ich nicht am Limit war. Als ich aus der Box kam war der Vordermann schon acht Sekunden weg und den Hintermann konnte ich locker kontrollieren. Habe den Abstand immer auf circa drei Sekunden gehalten um eine eventuelle Strafe ausgleichen zu können.”, antwortete der ehemalige Red Bull Pilot auf die Frage, wie der Regen sein Ergebnis beeinflusst habe. Sein Erfolgsrezept für den sechsten Platz gab er anschließend auch noch mit: ,,Ein fehlerloses Rennen und eine kontrollierte Pace im Nassen.”

In den Niederlanden konnte man sich nach den ersten Punkten in der Saison über Janbasketbal freuen. ,,I only thought, keep it clean. Don’t do stupid moves and you make it to the finish. I saw other people crashing so that was the sign to be careful.”, antwortete Jan auf die Frage, wie er es heute auf den achten Platz geschafft hätte. Seiner Nationalität zufolge war es auch nicht überraschend, dass er im Regen eine solide Pace zeigte. ,,I felt comfortable in the race. When it was starting to rain it was getting tricky. […] It was doable today. Silverstone is not to easy in the rain, but if you just be focused on every move you make, you make it to the end.”, so Jan.

Eine Misere erlebte beim Heimrennen das Traditionsteam aus Woking. Die McLaren Piloten DeKeepa und Ocon kamen nicht über die Plätze sieben und elf hinaus. ,,Das Team hat mich und Aaron leider mit den falschen Reifensätzen ins Wochenende geschickt, wir hatten keinen Medium Reifen zur Verfügung. Die Schuld für das gesamt schlechte McLaren Ergebnis liegt also beim Team selber.”, nannte der Esel sich immer zuerst. Dazu sah sich DeKeepa das Auto überperformen. ,,Im Regen selber war ich sehr gut unterwegs, das ist auch einer meiner Stärken. Ich konnte auf Kartracer und Janbasketbal gut aufholen, aber leider nur letzteren überholen.” Angesprochen auf das Überholmanöver gegen den Edener gab sich der Münchner Student schlagfertig: ,,Janbasketbal ist im Regen schneller untergegangen als die Niederländische Flotte Ende des 18. Jahrhunderts. Ich habe ihn mir für die letzte Runde zurechtgelegt und ihn kurz vor Schluss mit einer kleinen Showeinlage überholt.”

Vorschau Deutschland

Nächsten Sonntag steht für die meisten Piloten das Heimrennen am Hockenheimring an. Gespannt wird man dort auf die sonst eher unbeachtete Garagenhälfte Ferraris blicken. ,,Ich erhoffe mir viel vom Deutschland Grand Prix, zudem ich auch an diesem Wochenende auf Lenkrad umsteigen werde.”, zeigte sich Elfmeterfalle euphorisch. Kartracer derweil konnte sich einen ‘Damals war alles besser’ Kommentar nicht verkneifen. ,,Es ist meine Heimstrecke und keine 45 Minuten von meinem Wohnort entfernt. Das Layout der alten Strecke hat mir persönlich besser gefallen, weil es speziell war, aber die tollen Fans kompensieren das mehrfach. Es kommt noch was vom Ligaveteran.”

Nach regnerischen Bedingungen in den letzten beiden Rennen werden auch im badischen Hockenheim die Augen auf das Wetterradar gerichtet sein. Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland eine Julians bester Strecken ist und er somit seine Führung noch weiter ausbauen kann als er es sowieso schon getan hat.

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