Julian siegt, Williams überrascht – Monaco Rennbericht Liga 1

Am vergangenen Sonntag reiste die Liga 1 der Racing League Esports nach Monaco für den sechsten Lauf der Saison. Aufgrund der engen Gassen und wenigen Überholmöglichkeiten gilt das Qualifying im Fürstentum als das wichtigste im Rennkalender. Weltmeister JulianR2012 setzte seine Pole-Serie erfolgreich fort, während die beiden Williams Piloten NewYork und Bily sich hinter ihm platzierten und damit für die Überraschung des Tages sorgten. Force Indias Puffreis konnte durch einen technischen Defekt das Q3 nicht starten und ging somit von Platz Zehn ins Rennen.

Beim Start verteidigte Julian seine Position, obwohl die beiden Williams Fahrer auf dem weicheren Reifen gestartet waren. Sie übten in den Anfangsrunden Druck auf den Ferrari aus, der Hypersoft gab allerdings schnell nach, was beide Piloten in einen frühen Boxenstop zwang. ,,Mit den Hypers haben wir uns erhofft einen Undercut zu probieren, da man in Monaco sehr schwierig überholen kann.“, erklärte Bily die Strategie.

Die Peinlichvorstellung DeKeepas begann in Runde Fünf, als er in Kurve Eins die Wand touchierte, einen Teil des Flügels und somit auch zwei Positionen an Puffreis und Profigamer verlor. Der erste von fünf Boxenstopps folgte. Derweil versuchte Red Bull Junior Prinenz die Williams zu überholen. Die Hypersofts verzeichneten ab Runde Fünf einen extremen Gripverlust. Zwei Runden später rutschte Bily in Masenet aus, was Prinenz direkt ausnutzte und durchschlüpfte. Kurz darauf überholte auch TZ den Williams Mann spektakulär auf der Außenseite der Hafenschikane.

DeKeepa hatte in Monaco mehr Nasenwechsel als Michael Jackson

Virtuelles Safety Car und verschiedene Strategien

In Runde Acht überholte Prinenz den nächsten Williams round the outside in Masenet und sicherte sich somit den zweiten Platz. Durch einen leichten Kontakt verlor NewYork die Balance und gab somit TZ die Möglichkeit auch noch vorbeizufahren. Die Williams Strategen entschieden sich daraufhin Bily reinzuholen. Dieser baute danach einen Unfall in Beau Rivage und verursachte ein virtuelles Safety-Car, welches einige Fahrer für einen günstigen Boxenstop nutzten, darunter auch Julian. Dieser reihte sich hinter Lowkee und Profigamer ein, die draußen geblieben waren.
,,My strategy was to look after my first set of tires but do the undercut. However VSC came out and I knew with four five cars pitting ahead of me the only possible way to jump them was to do the opposite strategy. Thankfully looking after my tires allowed me to overcut.“, erklärte der Brite, warum er beim VSC draußen blieb.

In Runde 10 verursachte Puffreis einen DNF. Noch skurriler wurde es mit dem Zweikampf zwischen Prinenz und NewYork. Der Red Bull bremste sich bei der Hafenschikane innen rein, blieb mit dem Hinterrad hängen, drehte sich und sah TZ mit ihm kollidieren.

Prinenz hatte mit den Williams zu kämpfen

Eine Runde darauf überholte Julian Profigamer auf der Innenseite der Hafenschikane, ein eventuell siegentscheidendes Manöver. Danach ging Kartracer in der letzten Kurve DNF. ,,Als zwei Piloten vor mir in der Hafenschikane kollidiert sind musste ich die Schikane abkürzen und habe mir dadurch meinen Frontflügel beschädigt. Am Ende des 3. Sektors habe ich das Auto dann ohne Fremdeinwirkung auf P6 liegend komplett selbstverschuldet in die Ecke gesteckt.“, beschreibt der Ligaveteran sein frühes Aus.

ProfiF1Gamer im Zweikampfwahn

Bis Runde 19 blieb der Monaco Grand Prix unspektakulär. Die Intervalle sind gestiegen und Julian kontrollierte wegen Lowkees regulären Boxenstop auf Position Eins das Rennen. NewYork setzte seine starke Form in Monte Carlo mit einem Überholmanöver gegen Profigamer in der Hafenschikane fort. Für den Williams war das ein dringendes Manöver: ,,In dem Moment war es für mich wichtig, da ich den Vorteil der Ultrasofts ausfahren musste, jedoch war der Abstand schlussendlich auf die Hintermänner dann doch egal.”, erklärte NewYork nach dem Rennen. Profigamer sah das Problem bei den Pneus: ,,Die Reifen waren zu dem Zeitpunkt stark am überhitzen und leider auch deutlich langsamer. Ich hatte es gar nicht für möglich gehalten, dass man in der Hafenschikane so spät bremsen kann, aber Julian und NewYork haben mich eines besseren belehrt“, beantwortet Profi die Frage, warum er sich zwei mal hat überholen lassen.

Dem Haas Pilot blieb im Rennen keine Pause zum Atmen. Der nächste Zweikampf gegen Mercedes Pilot Lowkee folgte. Der Brite stach in Mirabeau innen rein, kam weit und wurde durch einen überlegten Switch Back Profigamers wieder überholt. Haas holte ihn anschließend für einen Boxenstop rein, was Lowkee auf Platz Drei schob. Toro Rosso Pilot TZ zeigte in Runde 29 erneut seine Überholkunst als er seinen Boliden auf der Außenseite in Kurve Eins platzierte um mit besserer Traktion knampf zu überholen.

ImLowkee jagte ProF1Gamer über mehrere Runden

In Runde 38 war erneut Profigamer Hauptakteur eines spannenden Zweikampfes. Force Indias Perpetuum versuchte auf dem Weg zur Haarnadel, eine der engsten Stellen der Strecke, sich neben Profigamer zu setzen. Er verhakte sich im Haas, welcher ausrutschte und mit der Nase die Wand berührte, der Flügel war ab. Perpetuum konnte ungeschert weiter-fahren, ließ Profigamer bei der geschwenkten Zielflagge aber wieder vorbei. Für diese Sportsmann Aktion erhielt er großes Lob im Paddock. ,,Ich habe gesehen, dass er ordentlich struggelt mit seinen Hinterreifen. Und ein Überholmanöver in Monaco ist immer ein bisschen risky. Der Versuch hat nicht geklappt und wir sind kollidiert. Da er viel mehr Zeit verloren hat als ich und ich zu viel Risiko gegangen bin, habe ich ihn vorbeigelassen, da ich eh hinter ihm gelandet wäre.“, so Perpetuum. Profigamer entgegnet ihm mit Respekt: ,,Die Aktion war sehr stark von ihm gewesen und darüber bin ich sehr glücklich. Also nochmal Riesen Respekt an ihn. Eine Strafe hätte ich natürlich nicht gefordert, da ich nicht genau weiß, wie es aus seiner Perspektive aussah. Am Ende hat er bewiesen, dass er ein sehr fairer Fahrer ist und dass er zurecht in der Racing League fährt.“

Julian überquerte als erster die Zielflagge und holte damit seinen sechsten Sieg im sechsten Rennen. Sein Teamkollege elfmeterfalle erzielte mit Platz Sieben sein bestes Saisonergebnis. Mercedes Lowkee und Williams NewYork komplementierten das Podium. Trotz Zwischenfall rehabilitierte sich Prinenz auf den vierten Platz, von dem er auchgestartet war.

Top 10

1. JulianR2012
2. ImLowkee ( +9,734)
3. NewYork6681 ( +24,763)
4. Prinenz ( +32,553)
5. ProF1Gamer5 ( + 46,097)
6. xPerpetuumMobile ( + 52,035)
7. elfmeterfalle ( + 1:11,632)
8. knampf3 ( +1 Runde)
9.RL-Leclerc ( +1 Runde)
10. TZ17BVB ( +1Runde)


Medienrunde

Nach dem Rennen zeigte sich der momentane Weltmeister auf der Pressekonferenz zufrieden. Auf die Frage, ob er momentan in der Form seines Lebens sei, antwortete Julian: ,,Das trifft offensichtlich zu (lacht). Ich fühle mich einfach allzeit sehr wohl im Auto und bin derzeit in der Lage, jede Woche das bestmögliche rauszuholen. Wenn dann noch das nötige Glück wie in Monaco dazukommt, gelingt es mir selbst dort zu gewinnen.“

Sein konsequentes Überholmanöver gegen Profigamer in der Hafen-schikane war ein häufig angesprochenes Thema in der Medienrunde. Die sonst so konservative Art hatte er für Monaco anscheinend abgelegt: ,,Meine Überholtaktik bleibt die gleiche. Ich sah einfach meine Chance als er einen schlechten Exit aus Portier bekam ihn anzugreifen. Glücklich-erweise hat er mitgespielt und mich kommen sehen, sodass wir beide ohne miteinander zu kollidieren weiterfahren konnten. Sie sehen, selbst der von Ihnen als konservative Nonne bezeichnete kommt zu einem Überhol-manöver in Monaco.“, verzichtet Julian nicht auf eine Stichelei gegen den Journalisten.

Gleicherer triggerte auch McLarens DeKeepa bei den Interviews. Auf die Frage, warum er so unglaublich kacke war in Monaco, antwortete er: ,,Tatsächlich war ich sogar schlechter als ihre, bei allem Respekt, journalistisch gesehen unterirdische Fragestellung. Das lag daran, dass ich mit Controller fahre, wodurch meine Reifen schnell eine Kerntemperatur von 111 Grad erreicht haben. Dadurch war ich pro Runde zwei bis drei Sekunden langsamer als die Lenkradfahrer. Ein Dreher nach der letzten Kurve hat meinen zwei  Runden Rückstand besorgt.“

Derweil schaute Lowkee einer möglichen Chance Julian Paroli zu bieten hinterher: ,,I was losing so much time I almost lost my wing trying the overtake. I just wish I got past earlier and could of possibly put some pressure on Julian.“, bezieht sich der Mercedes Pilot auf das Duell mit Profigamer in Runde 21.

NewYork zeigte sich lächelnd mit seinen ersten Zählern der Saison: ,,Nach den Ergebnissen in den letzten Rennen mussten einfach Punkte her, weshalb ich das Training für Monaco nochmal etwas intensiviert habe. […]
Ich bin definitiv zufrieden mit dem Ergebnis. Gerade eine Strecke wie Monaco, wo alles passieren kann, ist das ein sehr gutes Resultat.”

Ferraris Elfmeterfalle sah nach dem Rennen Fortschritte bei sich: ,,Das Erfolgsrezept bei mir lautete einzig und allein: Lieber etwas langsamer, dafür aber konstant und möglichst ohne Flügelschaden ins Ziel. Ist mir zwar nich ganz gelungen, da ich dank Dekeepa am Hafen mir den Flügel stark beschädigt habe. Allerdings waren wir beide dran schuld. […] Bin aber dennoch glücklich über P7.“
Angesprochen auf eine mögliche Stärke bei Stadtkursen reagiert Elfmeterfalle leugnend: ,,Nein, also normalerweise sind das meine beiden am wenigsten erfolgreichen Strecken im Kalender. Aber diesmal hat sich vorsichtig Fahren einfach ausgezahlt.“ Für die kommende Europa Tour ist er optimistisch: ,,Ich konzentriere mich jetzt erst mal darauf eine gewisse Konstanz reinzubringen und für Ferrari mehr Punkte einzufahren, denn die Saison ist ja noch lang. Wie gesagt, jetzt kommen endlich Strecken, die mir persönlich richtig gut liegen.“

Das abschließende Wort galt dem Ligaveteran Kartracer. Journalisten werfen ihm oft vor, er sei zu alt und hätte nicht mehr den richtigen Racing Spirit um mit den nachziehenden Talenten mitzuhalten. Auf die Frage, wie er seine momentane Form und Situation im Ligabetrieb sieht, gibt sich der Renault und Ex Red Bull Pilot skeptisch: ,,Auf eine schnelle Runde muss man die Reifen nur in das richtige Temperaturfenster bekommen, kann diese aber kaum überhitzen. Die Simulation der Kerntemperatur passt leider überhaupt nicht zu meinem Oldscool Fahrstil. Sind die Reifen erst mal überhitzt steigt die Chance exponentiell das Auto in die Prärie zu feuern was mir jetzt leider in drei von sechs Rennen, einmal unverschuldet, passiert ist. Durch einen sehr zeitintensiven Job, Familie und 12-14 Wochen Auslandsaufenthalte im Jahr bleibt zudem wenig Zeit zum Üben. Ich möchte deshalb keinesfalls jüngeren und talentierteren Piloten einen begehrten Liga 1 Platz wegnehmen. Wenn sich Renault ähnlich wie Red Bull in der letzten Saison dazu entscheidet der Jugend eine Chance zu geben werde ich erhobenen Hauptes gehen. Ich hatte meine Zeit und diese war fantastisch in Zeiten ohne asphaltierten Auslaufzonen, Halo und DRS.“


Vorschau Kanada

Nächste Woche fährt die Racing League Esports im kanadischen Montreal. Eine Highspeed Strecke mit einem technisch anspruchsvollen Mittelsektor und langen DRS Geraden. Mal wieder bleibt es abzuwarten wann die Serie von Julian unterbrochen wird. Red Bulls Talent Prinenz zeigte sich kampflustig: ,,Man muss in Kanada nicht nur auf die Strecke sondern auch in den Himmel schauen und wenn von da oben nicht nur Sonnenschein kommt sondern Regen bin ich positiv gestimmt. China und die halbe Regenqualifikation in Aserbaidschan haben gezeigt, dass dem Auto und auch mir der Regen sehr gut liegt und vielleicht bin ich der erste, der Julian schlägt.“

Viele Journalisten fragen sich trotz alledem: Wenn es schon nicht in Monaco geklappt hat, kann es dann überhaupt noch funktionieren? Am kommenden Sonntag, den 11.11.2018, werden wir Antworten auf dem nordamerikanischen Kontinent bekommen.

CraigoZ1

CraigoZ1

Ich bin Lars, 20 Jahre jung und kommentiere wöchentlich Liga 1. Meine Livestreams können Spuren von Zorn, Euphorie, Erschütterung und hohen Dezibelbereichen enthalten.

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