Julian dominiert vor heimischen Fans – Deutschland Rennbericht Liga 1

Das elfte Rennen der Saison bedeutete für die meisten Fahrer das Wochenende daheim verbringen zu können und zum Frühstück das gut bewährte Brötchen zu genießen. Der Deutschland Grand Prix stand vor der Tür und dieser hätte mit dem Hockenheimring wohl keine bessere Show abliefern können. Die Tribünen waren überwiegend rot gekleidet, da die Fanbase Julians am größten vertreten war. Der Weltmeister ließ mit einer dominanten Pole-Position und einem Start-Ziel Sieg keinen seiner Fans enttäuscht zurück.

In den ersten beiden Quali-Sessions sah Julian wider Erwarten schwach aus, holte aber dafür im Q3 alles aus seiner roten Göttin heraus, um die schnellste Zeit mit einem Vorsprung von über einer halben Sekunde auf den zweitplatzierten DeKeepa zu setzen. ,,In Q1 und Q2 hab ich jeweils mindestens zwei Anläufe gebraucht um eine legale Runde hinzubekommen, worunter die Pace etwas gelitten hat. Im dritten Segment hat dann letztendlich doch alles optimal gepasst und ich konnte volles Risiko gehen”, erklärte der Weltmeister. Auf die Frage, wie sich die Pole in Hockenheim anfühlt, entgegnete er: ,,Fantastisch. Ich denke jeder hätte diese gerne beim Heim Grand Prix gehabt.” Prinenz derweil kam über den fünften Platz nicht hinaus und bestätigte damit seine von Journalisten oft kritisierte Qualischwäche.

Gerangel in der ersten Runde

Beim Start konnte sich Julian binnen zwei Kurven schon absetzen. DeKeepa kam wie in Silverstone erneut schwach von der Stelle, weshalb die Fahrer hinter ihm eng aufschlossen. In der Haarnadel kam NewYork gegen Prinenz und TZ, die gerade um den vierten Platz kämpften, innen rein gestochen und verursachte somit einen Flügelschaden am eigenen Auto. Basslovers versuchte es gegen TZ sogar auf der Innenseite der Sachskurve. Der Rosso Pilot verteidigte allerdings seine Position. NewYorks Startmisere setzte sich fort als Tilman ihn in der nächsten Runde auf der Innenseite von Kurve sieben überholte und er anschließend in Kurve neun ins Kies rutschte und somit direkt auf Platz zwölf fiel. Davor war er auf dem sechsten Rang unterwegs. ,,Mein Start ansich verlief gut, jedoch habe ich meinen Frontflügel an Prinenz verloren, der unerwartet in die erste Kurve gebremst hat. Danach ging es dann leider Berg ab”, so NewYork.

In der vierten Runde überholte StayFrosty, der Itzbasti im Red Bull ersetzte, den zweitplatzierten DeKeepa in der Haarnadelkurve. Den Angriff eine Runde zuvor konnte der Münchner verteidigen. Kartracer, der von den heimischen Fans auch gerne ‘Der Klassiker’ genannt wird, schob seinen Renault auf die Außenseite der Haarnadel an Bily vorbei. Der Ligaveteran war von Platz 14 gestartet und entschied sich den ersten Stint auf den Mediums zu beginnen, während die Mehrheit des Feldes auf dem Soft startete. Er nutzte das Chaos und fuhr somit nach fünf Runden auf dem achten Rang. ,,Mein Start war nicht mal gut, aber dann habe ich den Alonso Trick angewandt. Kurve zwei und die Parabolika wurden ganz außen angebremst. Wenn sich alle innen behindern kann man so oftmals zwei bis drei Positionen auf einmal gewinnen”, erklärte der 34-jährige. Eine Runde später holte sich Bily mit dem gleichen Manöver die Position zurück.

Ebenfalls von weit hinten und mit Mediums gestartet war Force Indias Puffreis, der eine Woche zuvor eine immense Aufholjagd in Silverstone ablieferte. In Runde sieben überholte er Henri in der Haarnadel für den zehnten Platz. Bis dorthin war der Force India Pilot gehandicapt. ,,Der Start verlief sehr gut, allerdings wurde mir in der Einführungsrunde mitgeteilt, dass mein DRS defekt sei. So war ich die ersten sieben bis acht Runden dann im Getümmel immer wieder leichte Beute auf der langen Geraden”, verriet Puffreis nach dem Rennen.

Und wöchentlich grüßt das Murmeltier

Eine Runde später begann das Duell zwischen Prinenz und DeKeepa, die nach Silverstone nicht gut aufeinander zu sprechen waren. Der Red Bull Junior überholte den McLaren-Piloten in der Haarnadel für den dritten Platz. Währenddessen fuhr Ocon mit NewYork Rad-an-Rad durch die Kurvenkombination fünf bis zehn, und das alles für die goldene Himbeere beziehungsweise den fünfzehnten Platz. McLaren blieb in dem Rennen nicht der einzige Rennstall, der für eine Show sorgte. Die beiden Toro Rosso Fahrer Domeroda und TZ duellierten sich in Kurve sieben um den fünften Platz. Letzterer entschied sich kurz darauf in die Box zu fahren um frische Mediums auf zuschnallen.

Runde 9 – Das Rosso Duo verbrachte viel Zeit miteinander im Rennen

Danach überholte Puffreis Kartracer auf der Innenseite von Kurve zwei für den achten Platz. Der Force India Mann erwischte zwar nicht so eine saubere Startphase wie der Renault-Pilot, aber zeigte in der Mitte des Rennens eine deutlich bessere Pace. Mittlerweile holte sich DeKeepa seinen Podiumsrang gegen Prinenz zurück. Der Münchner überholte den Hessen in der Haarnadel, sah sich aber vor der Mercedes-Benz Tribüne von ihm weit rausschieben und die Position verlieren. Prinenz gab daraufhin die Position zurück. In den zwei darauffolgenden Runden überholten sich die beiden Jungspunde abwechselnd. ,,Die Zweikämpfe gegen Prinenz haben ultra Spaß gemacht, das war neben Bahrain das beste Ligarennen dieser Saison”, erzählte der McLaren Pilot. ,,Ich war positiv überrascht, eine solch faire Geste sieht man selten heutzutage, vor allem nicht von der jüngeren Generation. Prinenz hat meinen Respekt dadurch verdient”, antwortete er auf die Frage, was er bei der Sportsmann Aktion seines Rivalen gedacht habe. Prinenz war einsichtig. ,,Ich habe mich ein bisschen verbremst und ihn dadurch raus gedrückt. Der Move war nicht fair und somit ist es eine Selbstverständlichkeit ihn wieder vorbei zu lassen”, sagte der momentane WM-Zweite.

Prinenz und DeKeepa wechselten die Stellung öfter als ein frisch verliebtes Teenager Paar

In Runde dreizehn setzte Puffreis seinen Boliden auf die Außenseite in der Haarnadel um anschließend vor der Mercedes-Benz Tribüne Tilman für den siebten Rang zuüberholen. Kreativ wurde es danach bei TZ, der nach seinem Boxenstopp das Feld von hinten aufmischte. Weder in der Haarnadel, noch vor Kurve sieben sondern am Eingang ins Motodrom überholte der Rosso Pilot den Ferrari von Elfmeterfalle, der sich in dem Rennen erst an die neuen Upgrades an seinem Auto gewöhnen musste.

Runde 13 – Elfmeterfalle verteidgte vor Kurve sieben vorab seine Position

Boxenstopps und wütende Bullen

Während in Runde 15 die meisten in die Box für Mediums fuhren, setzten Puffreis und Kartracer ihren Stint erfolgreich fort. Diese wechselten vier Runden später auf die Softreifen und hatten somit einen schnellen Endspurt vor sich. ,,Ich denke, die Strategie spielt von hinten schon eine gewisse Rolle, allerdings denke ich, dass ich es unter die Top fünf im Qualifying hätte schaffen können und somit ein noch besseres Ergebnis die mögliche Folge wäre”, sah Puffreis Potenzial verschenkt. Kartracer konnte sich mit der Strategie ebenfalls anfreunden. ,,Ich wusste, dass ich in Hockenheim eine sehr gute Race Pace habe und im Verkehr auch locker mit den Mediums mithalten kann. Nach den Boxenstopps ist das Feld in der Regel weiter auseinander gezogen und man kann seine Pace mit frischeren, weicheren Reifen im Vergleich zur Konkurrenz richtig umsetzen.”

Ab der zweiten Rennhälfte begann der Stierkampf zwischen Domeroda und TZ. Letzterer überholte den Italiener in der Haarnadelkurve. Zwei Runden später kam der Konter vor der Mercedes-Benz Tribüne. Nachdem Reifenwechsel Puffreis’ in Runde 20 fuhren beide Rossos neben dem pinken Transgender Auto. Zu dritt attackierten sie die Haarnadel. Domeroda schlüpfte innen durch für den sechsten Rang. TZ und Puffreis fuhren Rad-an-Rad Richtung Kurve sieben, wo sich Puffreis verteidigen konnte. Der Force India Pilot war somit im Rosso-Sandwich. Aufgrund der deutlich besseren Reifen überholte Puffreis letztendlich Domeroda in der Haarnadel und setzte sich ab.

Der Hockenheimring verwandelte sich zwischenzeitlich zu einer ‘Plaza de Toros’

,,Die Duelle gegen TZ waren sehr toll, wie man vielleicht weißt, herrscht zwischen TZ und mir eine gewisse Rivalität obwohl wir nie um was gemeinsam gekämpft haben, nach diesem geilen Zweikampf kann ich auf jeden Fall sagen, dass zwischen uns beiden großen Respekt entstanden ist”, verriet der Italiener. Auch Puffreis äußerte sich positiv. ,,Dass sich beide so bekämpfen hat mich irritiert, aber durch die bessere Pace und den Reifenvorteil war es dann auch nicht so schwierig. Es waren paar harte Kurven, die vor allem Spaß gemacht hatten, danach hieß es ja nur noch ins Ziel kommen.”

Zu dem Zeitpunkt pflügte sich auch Kartracer mit frischen Softs durch das Feld. Nach einem Fehler in Kurve eins gab er Bily die Möglichkeit mehr Schwung auf die Parabolika zu nehmen, was er auch nutzte. Bily stach in der Haarnadel allerdings so tief rein, dass er den vorderen und eigentlich garnicht beteiligten Tilman berührte, was Kartracer wiederum nutzte um beide zu überholen. Auf die Frage, ob er nicht übermotiviert gebremst hätte, entgegegnete Bily mit ,,Nein.” Tilman betrachtete die Situation objektiv. ,,Das Duell war zunächst spannend mit Kartracer, der mit frischeren und besseren Reifen unterwegs war. Ich konnte ihn erst hinter mir halten, doch dann fuhr Bily in mich rein, wodurch ich quer stand und schließlich den Platz gegen Kartracer verloren habe. Danach habe ich versuch an ihm dran zu bleiben, um eventuell von ihm mitgezogen zu werden.” Und was sagt der Ligaveteran selber? ,,Sehr fair. Da ich mit neuen Softs ausgestattet war konnte ich bis zu 1,5 Sekunden pro Runde auf meine Vorderleute aufholen und somit problemlos überholen”, antwortete Kartracer auf die Frage, wie er das Duell gegen Bily und Tilman wahrgenommen habe.

Runde 24 – Kartracer führte Tilman und Bily auf dem achten Platz an

Wahnsinniger Fünfkampf

Nach mehreren Positionswechseln in den letzten Runden täuschte TZ vor Kurve sieben auf der Außenseite an um dann letztendlich innen rein zustechen, was Domeroda verteidigen konnte. Wie schon gegen Elfmeterfalle versuchte es TZ dann auf der Innenseite von Kurve neun, doch Domeroda hielt vorab Stand. Beide fuhren nebeneinander durch die Sachskurve, TZ kam als Sieger hervor. Die ganze Rangelei hat Kartracer enorm aufholen lassen, der folglich in Kurve zwei einen wahnsinnigen Double-Overtake zwischen den beiden blauen Boliden vollbrachte.
,,Ich kam perfekt aus Kurve eins, hatte DRS, doppelten Windschatten, wusste dass ich später bremsen kann und dann ging die Lücke auch noch auf. Dass es ohne die kleinste Berührung geklappt hat, war ein faires Miteinander aller Beteiligten.”, lobte der Renault-Pilot.

Runde 27 – Kartracer (hinten im Bild) schlüpfte zwischen beiden Rosso Piloten hindurch

Auf dem Weg zur Haarnadel stach TZ innen rein und verbremste sich. Er schob Kartracer und Domeroda, der ganz außen von der Kurve war, von der Strecke. Die dicht auffahrenden Sauber-Piloten Tilman und Basslovers konnten dementsprechend Plätze gut machen. ,,Ich habe mitbekommen, dass die beiden Toro Rossos durchgehend gegeneinander gekämpft haben und als Kartracer dann aufschloss, war das ein Fight zwischen drei Leuten, wodurch man auch Zeit verliert, was mir in die Karten gespielt hat”, so der Sauber-Neuling. Domeroda derweil hatte keinen Grund zum Lachen. ,,In dem Moment war ich ein bisschen stinkig, weil TZ mein Teamkollege war für dieses Wochenende und ich das erste Auto war, das mit auf der Geraden losgefahren ist, und nach der Haarnadel war ich das letzte von fünf Autos. Aber ich wusste das ich der Schnellste war in dem Moment und konnte wieder aufholen.” Kartracer zeigte Verständnis. ,,TZ ist ein unglaublich harter Kämpfer der Aufgeben nicht kennt – Ich akzeptiere das. Das er mit alten Mediums und angekratztem Flügel auf verlorenem Posten war wusste er. Ein Move, bei dem drei Kollegen Positionen verlieren, kann nie ganz sauber sein. Aber er war dann so fair und hat im nächsten Sektor gelupft, dass ich wieder vorbeifahren konnte von daher passt es für mich.”

Tilman nahm den Triple-Overtake dankend an


Tilman, TZ, Kartracer, Basslovers und Domeroda besetzten nun die Plätze sechs bis zehn. Alle trennten insgesamt zwei Sekunden. Beim Eingang ins Motodrom fuhr Basslovers ins Kies. ,,Ich war neben Kartracer in der Highspeed-Rechts und dann war ich außen zu schnell und bin ins Kies. Im Nachhinein wusste ich ja auch, dass man dort lieber zurückstecken sollte”, so Basslovers.

Massen DNF

Eine Runde später ging Basslovers DNF und stand ungewöhnlich auf der Ideallinie nach der letzten Kurve. ,,Ich wollte in die Box fahren und war dann abermals zu schnell und habe den Reifen an der Boxenmauer verloren. Dummer Anfängerfehler”, beschrieb Basslovers seinen Faux pas.
Nicht damit rechnend fuhr der drittplatzierte Prinenz in ihn rein und zerstörte seine Radaufhängung und damit sein Rennen. Gleiches passierte Tilman. Kartracer kam mit einem Flügelschaden noch glimpflich davon, als er in das gerade kaputtgehende Auto von Tilman fuhr. Trotzdem musste der Ligaveteran an die Box und damit einem potenziell gutem Ergebnis hinterher trauern. Prinenz fand schnell eine Erklärung. ,,Die gelben Flaggen wurden erst geschwenkt, als ich schon in die letzte Kurve eingelenkt habe, bis ich dann Basslovers gesehen habe war es schon zu spät.” Auch Tilman rechnete nicht mit seinem Teamkollegen an derartiger Stelle. ,,Ich habe die Gelbe Flagge zwar gesehen und wahrgenommen, dass es auf der Start-Ziel Geraden sein muss, doch ich habe damit gerechnet, dass das Auto rechts an der Mauer oder links im Kies steht, weil dort meistens die Autos stehen, wenn dort jemand DNF geht.” ,,Das war eine Katastrophe. Tilman ist in Prinenz gecrasht und hat dadurch die Linie zum Ausweichen noch enger gemacht. Ich war zu dicht dran und zu schnell um noch reagieren zu können. Eine Mischung aus Pech und Dummheit meinerseits”, ärgerte sich Kartracer.

Die Rosso Piloten kamen ohne einen Kratzer davon und belegten nun die Plätze fünf und sechs. Allerdings fuhren beide in der vorletzten Runde wieder Rad-an-Rad durch Kurve neun, diesmal mit zu wenig Platz zwischen einander. Domeroda berührte TZ im Sidepot und drehte sich ins Gras. Damit beendete der Italiener das Rennen nur auf dem neunten Platz, TZ wurde auf Grund von Zeitstrafen auf den siebten Platz zurück versetzt. Domeroda nahm nach dem Rennen die Schuld auf sich. ,,Am Ende wollte ich einfach zu viel, ganz klar mein Fehler und ein sicherer Platz fünf war weg, das ist sehr bitter, weil wir kamen da an ohne irgendwelche Ziele an und ein Platz fünf mitzunehmen wäre echt ein großartiges Ergebnis gewesen.” TZ hatte keinen Redebedarf bei den Medien. ,,Mir hat das Rennen Spaß gemacht. Mehr sage ich nicht dazu, den Rest besprechen wir intern.”

Julian holte seinen neunten Sieg im elften Rennen mit einer dominanten Leistung. StayFrosty fuhr auf den zweiten und Nutznießer DeKeepa auf den dritten Platz. Unauffällig und sich aus allem raushaltend war Sascha, der am Ende den fünften Rang belegte. Puffreis, der in Silverstone neun Plätze im Rennen gewann, toppte sich selber mit elf gewonnenen Plätzen in Deutschland. Dieser junge Mann mag es von hinten.

Top 10

1. Julian
2. StayFrosty  ( + 12.981)
3. DeKeepa     ( + 20.250)
4. Puffreis       (+ 36.960)
5. Sascha         ( + 56.178)
6. Henri          ( + 59.524)
7. TZ                ( + 1:03.517)
8. NewYork    ( + 1:05.791)
9. Domeroda  ( +1:06.145)
10. Kartracer ( + 1:09.701)

Medienrunde

Julian wirkte nach seinem Sieg vor den heimischen Fans stolz. ,,Es wirkt fast etwas nostalgisch, wenn man an die Ära Schumacher zurückdenkt. Natürlich freut es mich, die Zuschauer hinter mir zu wissen und es motiviert noch zusätzlich.” ,,Der Hockenheimring ist eine meiner stärksten, wenn nicht sogar die stärkste Strecke im Rennkalender für mich. Die Layouts der vergangenen vier Wochen kamen mir weniger entgegen, daher ist es schön, auf einem für mich passenderen Kurs, mal wieder etwas komfortabler gewonnen zu haben”, beantwortete Julian die Frage, warum er nach langer Zeit wieder dominant gewonnen habe. Ein bischen Auszeit bis Ungarn bleibt auch. ,,Ich werde die Chance ergreifen, meine Familie und Freunde in meiner Heimat, einem kleinen Kaff in der osthessischen Provinz, zu besuchen. Sie wissen schon, etwas abschalten vom Trubel der Formel 1 Welt.”

StayFrosty, der sich in den vergangenen Rennen als Geheimfavourit für Pole-Positions etabliert hat, musste in Deutschland das Nachsehen haben. ,,Q3 lief nicht perfekt für mich, die erste Runde war ok aber nicht ganz am Limit, im zweiten Versuch bin ich mehr an die Grenzen des Wagens gegangen aber habe die Runde ungültig gefahren. Eine 1:10,4 und damit Platz 2 wäre möglich gewesen, Julian war im Quali aber in seiner eigenen Liga.” Im Rennen war für ihn nicht mehr als Silber möglich. ,,Ich habe die Reifen etwas zu hart rangenommen und hatte gegen Ende des ersten Stints etwas Probleme. Nach dem Boxenstop kam ich auch noch hinter zwei Fahrern raus, die mit den Mediums gestartet sind. Als ich wieder freie Fahrt hatte, war ich schon acht Sekunden weg und auch dann konnte ich die Pace von Julian nicht mitgehen. Auch im Rennen war Julian einfach unschlagbar.” Traurig abreisen wird der red Bull Ersatz aber nicht. ,,Ich habe wieder an Erfahrung gewonnen. Vor allem bin ich dieses Mal auch zufrieden mit der Rennpace gewesen. Im Quali war ich die letzten beiden Rennen auch vorne dabei aber im Rennen hatte ich vor allem im Regen oft große Probleme. In Deutschland kam ich ohne großen Fehler durch, dies ist ein Schritt in die richtige Richtung.”

Bei DeKeepa hieß es erstmal Überstunden im Simulator. ,,Ich bin einer der schlechtesten Starter in der Liga, ich kann den Wheelspin mit dem anderen Controller irgendwie nicht abfangen. Daran muss ich weiterhin arbeiten.” Später entpuppte er noch unkonventionelle Strategien. ,,Die beiden Lenkradfahrer hatten keine so starke Reifenabnutzung wie ich. Auf einem so hohen Niveau kann das schon einen Unterschied machen. Das Team meinte zudem, dass ich lieber ein Qualisetup nehmen sollte, damit McLaren in der ersten Reihe steht und somit Aufmerksamkeit bekommt. Mein Teamkollege hat sich dagegen gesträubt und hat deswegen keine Zeit in Q3 gesetzt.” Auf die Frage, ob ein Podium ohne Fremdeinwirkung möglich gewesen wäre, entgegenete DeKeepa: ,,Nein, von der Pace im zweiten Stint her nicht. Ich habe die Mediums nicht zum Arbeiten bringen können, zudem musste ich StayFrosty am Anfang wegen eines DRS Fehlers ziehen lassen. Red Bull war generell aber stark in Deutschland.”

Gelassen dafür war bei Red Bull einer allerdings nicht. Auf die Frage, ob ohne DNF maximal Platz drei drin gewesen wäre, antwortete Prinenz gereizt. ,,Mal wieder haben sie das Rennen und das Rennergebins nicht gesehen, anderst kann ich mir diese dumme Frage nicht erklären. Wäre aber Zweiter geworden durch die sechs Sekunden Strafe von StayFrosty, um ihre Frage trotzdem zu beantworten.” Gefragt, ob er eine Qualischwäche besäße, drückte Prinenz seinen Unmut auf den Journalisten aus. ,,Ja, wie ich schon oft zu ihren Kollegen, die ich im übrigen mehr mag als sie, gesagt habe.” Augenzeugen zufolge soll Prinenz dem Journalisten das Mikro aus der Hand gerissen und ins Maul gestopft haben.

Bei Force India gab sich Puffreis redefreudig. ,,In den letzten Rennen schaffe ich es generell nicht eine saubere Runde am Maximum rauszuholen. Silverstone war vom Qualifying her sehr schlecht, aber auf die Renndistanz konnte ich generell schnellere Runden fahren, zudem der Regen auch einsetzte. In Deutschland war ich guter Dinge unter den Top fünf zu starten, allerdings habe ich mich in meiner ersten Runde im Q2 in Kurve eins weggedreht und stand falsch auf der Strecke. Bis die ersten Fahrer hinter mir durch waren hatte ich schon die schwarze Flagge bekommen. Im Rennen hatte ich wieder eine starke Rennpace, weil ich meiner Meinung nach lange annähernd schnelle Quali-Runden fahren kann, sprich am Maximum ohne meine Reifen zu sehr zu schädigen”, beantwortete der Youngster die Frage, woher die Qualischwäche und gleichzeitig Rennstärke käme.

NewYork holte nach einer schwachen Anfangsphase noch vier Punkte nach Grove. ,,Ich habe nicht aufgegeben. Ich habe mein bestes gegeben in der Hoffnung ‘Da wird vielleicht noch was draus’. Jeder Punkt ist wichtig und durch die vielen Crashes gegen Ende des Rennens konnte ich nochmal gut profitieren.”

,,TZ ist ein sehr starker Fahrer und war klug sich immer in der DRS Zone ranzusaugen, er hatte auf der Geraden deutlich mehr Pace und hat sich extrem gut geschlagen. War schwer wegzufahren, mit dem DRS-Spielchen”, ließ Domeroda das Rennen Revue passieren.

Im Gegensatz zu McLaren zeigte sich Kartracer als Freund des Rennsetups. ,,Ich richte meine Setups in dieser Saison nur noch auf das Rennen aus. Durch den Wegfall der Dirty Air Berücksichtigung und des größeren Windschatten- und DRS Effekts hat das Quali im Vergleich zu letzter Saison an Bedeutung verloren”, erklärte Kartracer den Unterschied zwischen seiner Quali- und Rennpace. Schlussendlich war er trotzdem enttäuscht. ,,Ich war extrem frustriert. Ich lag bereits vor TZ, der die Ziellinie als Fünfter überfahren hat, hatte gute Soft Reifen, noch jede Menge Benzin und erst eine Zeitstrafe. Von P14 auf P5 war mehr als realistisch – vom Hero zum Zero leider die Realität.”

Trotz keiner Punkte sah Elfmeterfalle nach dem ersten Einsatz der neuen Lenkung an seinem Boliden Fortschritte. ,,Ja also die Upgrades haben sich überraschend gut angefühlt. Hätte ich mir nicht den Flügel in Runde zwei kaputt gefahren durch einen kleinen Verbemser, dann wären locker ein paar Punkte drin gewesen. […] Es hat sich sehr gut angefühlt mit Lenkrad zufahren, vor allem werde ich dadurch konstanter in der Pace und auf jeden Fall reifenschonender.”

Vorschau Ungarn

Am kommenden Sonntag, den 16.12.2018, fährt die Liga 1 der Racing League Esports am Hungaroring in Budapest. Für die Strecke benötigt man ein High-Downforce Paket. Auf Grund mangelnder Überholmöglichkeiten bietet sich ein eher ein Qualisetup an. Es bleibt gespannt, wie McLaren und Renault darauf reagieren werden, und ob Julian wieder die Fans begeistern wird, in Ungarn wird es davon diesmal nicht so viele geben.


CraigoZ1

CraigoZ1

Ich bin Lars, 20 Jahre jung und kommentiere wöchentlich Liga 1. Meine Livestreams können Spuren von Zorn, Euphorie, Erschütterung und hohen Dezibelbereichen enthalten.

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